Eine Suche.

Sie haben ein Mädchen an ein Holzkreuz gebunden. Ich sehe nicht richtig hin. Zwei Männer in Anzügen und weißen Hemden sprechen über den Schmerz, wenn der Nagel durchs Handgelenk getrieben wird. Mir wird schlecht. Ich verlasse den Platz.
An der Schmiede stehen drei Pferde. Unauffällig und still nehme ich auf einem Hocker an der Seite Platz. Als der Schmied mich sieht, legt er die Schürze ab und kommt zu mir. Obwohl er eigentlich keine Zeit dafür hat. Aber er spürt, daß es nötig ist. Ich erzähle ihm, was ein paar Straßen weiter geschieht. Ich sage: „Bis hierhin hört man die Schreie hoffentlich nicht.“

Ich wohne auf dem Land. Bei der Familie eines Arztes, die mich aufnahm, als ich Waise wurde. Doch nun ziehen wir in die Stadt. Weil der Bürgermeister des Dorfes das Mädchen hat kreuzigen lassen. Der Arzt kann das nicht akzeptieren. Er sieht aus wie der Schmied. Ich begehre ihn, wenn ich ihn ansehe.

Bevor wir aufbrechen, sprechen wir mit einem alten Mann. Ich zeige ihm ein Foto von dem Mädchen, das gekreuzigt wurde. Sie hat kurze, rote Haare. Ob er sie kennt. Das tut er und zeigt uns, was geschehen ist:

Sie lief durch das Dorf, als sie eine Stimme hörte, die ihr empfahl einen bestimmten Weg einzuschlagen, den wir jedoch nicht sehen können. Sie antwortete: „Nein, der Weg ist zu eng.“ Stattdessen ging sie durch das breite Tor eines verlassenen Hauses.

Und wir gehen mit ihr:

Einmal im Haus, schlägt die Tür zu. Wir sehen das Mädchen verunsichert die Treppen hinaufstolpern. Dann sehen wir sie nicht mehr. Ich spüre die Angst durch meinen Bauch in meine Brust kriechen und ich weiß, daß es den anderen ähnlich geht. Das Haus verströmt die beunruhigende Atmosphäre alter, verlassener Häuser: Man stolpert über kaputte Treppenstufen und stößt sich an herunterhängenden Holzteilen, durch alle Räume ziehen sich Verfall und Zerstörung und Dunkelheit und das wenige, gedämpfte Licht, das durch die stumpfen Fenster dringt, wirft unheimliche Schatten. Als der Mann die Tür wieder öffnet, ist sie nur noch so schmal, daß kaum eine Person hindurchpaßt. Wir quetschen uns panisch hinaus ins Freie.

Mit kleinen Flugzeugen fliegen wir in die Stadt. Es passen immer drei Personen und etwas Gepäck in eines der Flugzeuge. Eines steuert der Arzt, ein anderes ein Pilot mit einem großen Hund.

In der Stadt ist die Dunkelheit erhellt von bunten Lichtern. Es herrscht fröhliches Treiben. Begeistert ziehen die Mädchen und ich durch die Straßen. An einem Straßencafé sind wir mit dem Arzt und seiner Frau verabredet. Als ich ihn zwischen den Tischen stehen sehe, gehe ich zu ihm. Hinter einer Hauswand küssen wir uns und ich sage: „Ich liebe Dich.“ Wir haben hektischen Sex. Noch während wir es tun, schäme ich mich.

Ich mache mich alleine in der Stadt auf die Suche und treffe auf eine hübsche Patisserie. Sie ist wie jene in Moiron; die bunten Auslagen, die zierlichen Bistrotische, das gemütliche Licht. Es ist Kundschaft an mehreren Tischen. Der Konditor sieht aus wie der Schmied. Drei Jahre vergehen. Ich verlasse die Patisserie und gebe dem Konditor einen flüchtigen, lieblosen Kuß.

Die Stadt bringt mir kein Glück. Hungrig, müde und einsam hocke ich zusammengekauert auf der Straße. Die Patisserie ist noch in Sichtweite. Vor mir steht eine Bank, aber ich sitze am Boden. Meine Kleidung ist zerrissen und dreckig. Ich denke an den Schmied. Ich sollte ihn anrufen. Er wird mich hier abholen.

Ein junges Pärchen setzt sich auf die Bank vor mir. Ich bitte sie mir zu helfen und mir ihr Handy zu leihen. Sie geben es mir. Ich wähle die Nummer der Schmiede: Es ist nur eine Bandansage vom Bürgermeister. Er sagt: „Der Schmied ist vor einigen Jahren im Urlaub gestorben.“

Entsetzt werfe ich das Handy fort, so als hätte es sich in meiner Hand in eine giftige Spinne verwandelt. Dann knickt mein Körper ein wie ein Halm, den die Sense trifft. Die beiden hilfsbereiten Fremden greifen erschrocken unter meine Arme. Ich schreie. Wie Wassermassen tosen meine Schreie durch die Straßen der Stadt.

Asche.

Wie Schäfchen steigen Wolken zum Himmel auf. An blauen Bändern tragen Sie kleine Fleischstücke mit sich; Fetzen Deines traurigen Gesichtes. Versonnen sehe ich ihnen nach. Ein Abschied ist zauberhaft, wenn er ein Anfang ist.

Wo Du warst herrscht Ödnis; mageres Land, von der Sonne verbrannt, in dem selbst die Spießböcke lechzen. Ich schrubbe mein Herz mit Milch und Salz und nähre es mit Eisen. Zaghaft streckt es seine Fühler aus in die Weite und zuckt erschrocken zurück.

Mein Geist ist ein begieriger, doch störrischer Schüler. Immer wieder schaut er aus dem Fenster und versenkt sich im Anblick der Birkenkronen. Mit einem peitschenden Knall landet die Rute auf seinem Pult. Hier vorne, zischt es, wach auf. Betroffen senkt er den Blick.

Wie aus dichtem, dornigem Gestrüpp reißt man mich los. Teile bleiben zurück. Ich winke ihnen zum Abschied: Auf Wiedersehen, Milz, auf Wiedersehen, Ohr. Es blutet ein wenig, dort wo das Ohr war. Die Milz brauchst Du nicht, sagen sie.

Ich habe den Spiegel vor mir zerschlagen. Mit einem wilden Schrei. Und nun schaue ich in seine Scherben und sehe mich immer noch darin. Entsetzt starre ich in all diese Gesichter. Sie starren zurück, jedes aus einer anderen Richtung, starren sie mich an und warten. Sie warten, daß ich sie erkenne.

Musik, die aus dem Himmel schallt – traurige Töne, reißende Klänge und dazwischen: Freude. Fang an zu tanzen, rufen die Wolken, die Dein Gesicht getragen haben. Fang an zu tanzen, wie Gott Dich zu tanzen gelehrt hat.

Und lachend beginne ich zu tanzen. Ich tanze und auf mich herab fallen die Obsessionen meines Lebens in einem Regen aus Asche. Sie hüllen meinen nackten Körper in graue Ascheschichten ein. Und ich liebe sie.

Meine Liebe ist bodenlos.

Nichts bleibt.

o.t.

Nichts bleibt zu tun
für mich.
Ich bleibe allein
zurück.
Ich schaue umher,
doch ich
finde doch nichts.

Ich schaue umher
und blicke
in mein Gesicht
und schrecke
vor mir zurück
und denke
nicht mehr an dich.

Ich denk nicht an dich
und doch
schreib ich ein Gedicht,
ein Wort,
so leer wie mein Blick,
für dich
und nichts bleibt zurück.

Nichts bleibt zurück
für mich.
Ich bleibe allein
und ich
schaue umher,
doch nichts,
nichts findet sich.

Fahrt nach M.

Fahrt nach M

Während wir über eine magere Wiese fahren, auf der immer wieder einzelne Schrotteile abgeladen wurden, schieben wir vor unserem Auto eine Kapsel her. Von Größe und Beschaffenheit sieht sie aus wie ein gläserner Kindersarg. In ihr liegt ein Wesen, ein Mensch wie ein Zwerg, schmal und klein, aber doch muskulös wie ein Stein, mit schwarzem Haar und schwarzem Bart und bösartigem Gesicht, das wächsern nach oben in den Himmel schaut. Mein Bruder fährt, es ist sein Auto, sein großes, schwarzes, böses Auto. Ich sitze neben ihm und schaue auf das Wesen.

Plötzlich beginnt die Kapsel zu brennen, von unten zu brennen. Das Wesen beginnt zu schreien und zu zappeln, soweit die Enge seines Gefängnisses Bewegungen zuläßt. Die Flammen schlagen von unten um es herum, wie um einen schwer entzündbaren Holzscheit. Einen Moment meine ich, daß es uns um Hilfe anfleht, denn wir könnten die Kapsel öffnen. Aber wir tun es nicht.
Stattdessen lösen wir sie vom Auto, schieben sie an den Straßenrand und ziehen weiter. Wir lassen das Wesen verbrennen. Doch es ist nicht tot. Ich werfe einen letzten Blick auf die Kapsel. Das Wesen schaut mich an. Und es sagt mir, daß es mich jagen wird, mich und meine Familie, um sich aufs Furchtbarste zu rächen. All das sagt es mir mit dem kurzen schrecklichen Blick, den ich erhasche, bevor ich mich abwende und wir weiterfahren.

Wir wissen nun, daß wir fliehen müssen. Die Angst ist nicht mehr als ein dumpfes, surreales Gefühl in uns. Wir fahren nach Hause. Unsere Mutter nehmen wir mit. Die restliche Familie bleibt dort. Wir bitten um Schutz für sie bei einem befreundeten Polizisten. Dreimal. Doch wir fahren fort mit der schnell verdrängten Ahnung, daß das nicht helfen wird.

Wir wissen, wohin wir müssen. Ich weiß es und führe uns. Zu einem Ort, dessen Name leicht poetisch klingt und mit einem M beginnt. So wie Moira oder Moiron. Wir müssen dort jemanden treffen, der uns weiterhelfen kann: Herrn Müller. Ich stelle das Navigationssystem, meine Mutter schaut interessiert von der Rückbank hervor auf die angezeigte Route. Wir fahren in den Nordosten.

Dieser Ort ist schöner als alle anderen Orte. Er ist ganz sauber und aufgeräumt. In seiner Mitte ist ein unglaublich großer Park. Im Grunde besteht der Ort mehr aus dem Park als aus den Häusern, die allesamt um den Park herum angeordnet sind. Es sind saubere Steinbauten, rote und graue, die an einem sauberen Bürgersteig stehen, der an eine saubere, breite, wie frisch gegossene Straße grenzt, auf der kein anderes Auto fährt als unseres. Eine Stadt wie eine Kulisse.
Vom Park sehen wir nur grün, grüne Wiesen. Keine Blumen oder Bäume. Nur das Grün und die Straßen, die links- und rechtsseitig entlangführen und ihn einmal in der Mitte teilen. Das Navigationssystem möchte uns über jede dieser Straßen führen, bevor es auf die Straße nördlich des Parks führt, zu der wir wollen. Ich schaue auf die Karte und suche uns einen sinnvolleren Weg.

Die nördliche Straße ist enger und mit Kopfsteinpflastern versehen. Die Häuser scheinen älter und sind mit den breiten Fensterfronten von Ladenlokalen ausgestattet. Doch auch hier ist es aufgeräumt und menschenleer.
Wir erreichen unser Ziel: eine Konditorei, die uns in ungekannter Schönheit empfängt, als wir sie betreten. Fasziniert, nein geradezu hingerissen, bestaunen wir die Kuchen, Torten und kleinen Gebäcke in den Auslagen, sie sind so bunt und vielseitig, daß es unmöglich wäre sich zu entscheiden, hätte man es gewollt. Der Gastraum ist mit vielen kleinen, zierlichen Bistrotischen und -stühlen ausgestattet und in ein warmes, aber wenig schummriges Licht gehüllt. Kein Tisch ist besetzt, wir sind die einzigen Gäste.
Eine unscheinbare Dame steht hinter dem Tresen. Wir nennen unser Anliegen und sie ruft Herrn Müller mit einem Telefon an. Wir warten an einem der feingliedrigen Tische am Fenster und schauen auf die leere, saubere Straße.

Herr Müller ist ein großer, großer Mann in einem langen schwarzen Mantel mit langem, aber schütterem, weißem Haar. Trotz der imposanten Erscheinung wirkt er hinfällig, er steht schief, sein Gesicht ist blass und wenn er spricht, ist er schwer zu verstehen. Dennoch wissen wir, daß wir durch ihn hier in Sicherheit sind. Er ist der Schlüssel und das Geheimnis dieses Ortes. Und er kennt das Wesen.
Wir fragen ihn nach einer Wohnung, er nennt uns mehrere Möglichkeiten. Dann verläßt er uns wieder. Ich denke, daß er und die Kuchen nicht zusammenpassen. Aber er ist der Konditor.

Die Wohnung, die er uns genannt hat, liegt in einem grauen Gebäude neben der Konditorei. Sie gehört zu einem Laden für Naturkosmetik und Wellnessbedarf. Der Laden ist ebenfalls sehr aufgeräumt, hat nur wenige Auslagen und strahlt in einem warmen Licht durch den grünen Schriftzug am Fenster hindurch auf die Straße.

Meine Mutter und ich liegen nebeneinander auf dem Bett in unserer neuen, spärlich eingerichteten Wohnung. Wir sind ein wenig erschöpft, ein wenig leer, ein wenig durcheinander.
„Du bist so ein Kind. Und so erwachsen.“ sagt meine Mutter zu mir. „Wie Du das alles hier organisiert hast.“
Ich habe doch den Teufel verbrannt, Mutter.“ antworte ich. „Deshalb lag es in meiner Verantwortung.“ Dann schweigen wir. Vor unserem Fenster wird es dunkel.
Ich frage mich, ob Herr Müller in der Backstube steht.

Zwei Äpfel im Gras.

vom frost überrascht

Gott schickte uns wie Engel
der Zeit entrückt ins All
und ratlos sahen wir
dem Leben ins Gesicht

Gott ließ uns gleich zwei Äpfeln
beisammen fall’n ins Gras
erschrocken blickten wir
einander ins Gesicht

und schweigend lagen wir
und hilflos in der Erde
und witterten die Zeit
die uns erbittert wehrt

und ich erkenne endlich,
daß alles, was mal werde
nicht Du bist und nicht ich
und ewig uns entbehrt

Stumm sahen wir ins Leben
und quälten unsere Herzen,
die wir gebrochen hatten
und fühlten uns betrogen

Doch jenseits aller Wünsche,
durchfloß uns wahre Demut,
und in Dir ist mein Herz
zum Himmel längst erhoben

Die Liebe in Gedanken.

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Sie ist so schmal wie ein Lesebändchen
und liegt zwischen unseren Büchern versteckt.
Sie ist nur ein Kieselstein in unsren Händen
und von unsren Händen gut zugedeckt.
Sie ist so winzig und still wie der Staub,
damit niemand sie zwischen uns beiden entdeckt.

Sie ist nur ein Windhauch auf meiner Haut
und entzündet ein Feuer in meinem Schoß.
Sie ist nur ein Räuspern zur Geisterstunde
und tritt einen Sturm vor dem Fenster los.
Sie ist die Luft, die mich leben läßt,
wenn der Mond in der Nacht meine Träume liebkost.

Sie ist mein Begleiter in jeder Sekunde.
Sie ist das Lächeln in meinem Gesicht.
Sie quält mich in mancher verzweifelten Stunde,
denn immer ist sie nur ein Gedicht,
nur ein Wort, ein Gedanke, ein zaghaftes Sehnen –
die Haut Deiner Wangen berühre ich nicht.

Doch Du bist mein Sternensoldat, meine Sonne!
Du bist das Leben in einer leblosen Welt.
Du bist die Fülle in endloser Leere,
die unsre Seelen gefangenhält.
Du bist der Geist, der sich all unsren Tagen
schwerelos träumend entgegenstellt.

Und ich bleibe glücklich ein letzter Gedanke,
ein kleines Stück Erde, schon lang nicht in Sicht,
ein schattiger Abgrund, ein kaltes Gebirge,
denn schattig und kalt bin ich ohne Dich.
Gib mir nur ein winziges Stück Deiner Liebe,

und in Dir werde ich zu Licht.

Wüste Ödnis.

o.t.

Graue Schluchten reißen uns
in Täler, trist und traumverhangen
und im trüben Morgendunst
hängt die Zeit, wie Licht gefangen
irisierend in der Luft.

Hilflos starren wir sie nieder,
starren stummen Fischen gleich
mit geschloss’nen Augenlidern
in ein dumpfes Totenreich,
atmen schwer den Totenduft.

Schwarze Löcher hinterlassen
uns’re Herzen öd und wüst
und kein Mensch kann je erfassen
welche Ödnis uns begrüßt,
sonntagfrüh am Galgenbaum.

Deine Augen flackern wütig,
doch Dein Antlitz ist bedrückt.
Leben lastet unermüdlich
auf dem, den es niederdrückt.
„Sonntagfrüh“ ist nur ein Traum.

Du und ich, wir schweigen lieber
lebenslang in uns’rem Grab.
Hoffnungsstaub fällt auf uns nieder
bis er uns begraben hat.
Und das Spiel beginnt von vorn.

Doch die Jahre gleiten weiter,
gleiten hin durch Zeit und Raum.
Gestern noch, da war’n wir heiter.
Heute sterben wir vor Gram.
Morgen werden wir gebor’n.

Würmer und Fliegen.

Als heute morgen die Sonne aufging, fragte ich mich ob die Würmer in meinem Bauch auch schon wach sind und ich nahm das Messer neben meinem Kissen und schnitt ein großes Loch in die Bauchdecke, um ihnen einen guten Morgen zu wünschen. Der Himmel hängt seit Tagen voller dicker, weicher Wünsche und die zerrissenen Fetzen unbeständiger Zirruswolken ziehen durch die Landschaft und stürzen in traurigen Bahnen zu Boden, wo sie die Erde zu Tränen rühren.

Ich schwebe auf diesem Tränenbett, eingelullt in das süße Singen der Würmer und versuche einen Liebesbrief zu schreiben. Doch die Worte prallen an den blankpolierten Wänden meines Kopfes ab und blicken stumpf wie kleine Fische in die Nacht.

Es gab eine Zeit, da glaubte ich felsenfest nur das Leben kenne kein Ende. Heute weiß ich, daß auch das Herz kein Ende kennt, wenn es einmal angefangen hat zu schlagen. Es schlägt wie ein verrücktes, kleines Männchen mit einem Hammer, unaufhörlich gegen die Knochen und es schlägt immer fester und wilder und fester und wilder und man meint, es müsse doch bald eine Spitze erreichen, doch die Spitze kommt nicht, es kommt nichts, was ein Ende ankündigt, nichts was anders wäre als das Schlagen des Herzens. Veränderung ist eine Illusion.

In mir lebt ein riesiges Loch, das die Gestalt eines großen Mannes annimmt und mich auffrisst und ich dachte, ich sei geheilt von aller Leere, doch die Leere ist die Liebe und nichts heilt die Liebe einer Frau.

Während der Tag vergeht, vergeht die Nacht und in der Nacht singt der Tag schrille Kinderlieder und weint verzweifelt in meinen Träumen, schreit um Hilfe und sucht mich, sucht meinen Verstand, der längst von einer Klippe gesprungen ist. In der Nacht schwinden alle Worte und formen das Loch und ich will es erschlagen, doch der Mann tritt hervor und keiner, niemand lächelt wie er.

Es war wie eine Erdbeere, die meine Lippen benetzte, als ich mit Nadel und Faden meine Beine verschloß und tief im Wald nahm ich die Schrotflinte und schoss mir in den Mund. Doch bevor ich erwachen konnte, waren dort soviele Bäume und flüsterten “Niemals entkommst Du dem Labyrinth Deines Herzens.” Und ich schrie “Ich mag ja romantisch sein, aber ich lebe nicht mehr, nein, ich lebe nicht mehr. Wer hat mich erschlagen?” Und die Bäume lachten und flogen davon.

Es waren Stunden, Tage und Jahre und noch immer schlägt mein Herz und die Würmer in meinem Bauch schlängeln sich hinauf in meine Augen und treten hervor und lachen und lachen, sie lachen sich kaputt über all das, was sie sehen, doch mein Bauch, der weint, weil er sie verloren hat.

In den Bäumen hängt ein stahlblauer Luftballon und kichert hysterisch. Der Mann auf meiner Brust zerschlägt Fliegen mit einer Eisenpfanne und verschluckt meinen Verstand vor Schreck. Er hat alles verlassen, noch bevor ich ihn kannte. Wie soll ich ihn finden, wenn er doch längst nicht mehr sterben kann? Ich ertrinke und kralle mich in seine Haut. Doch was ich in den Händen halte, ist das höhnische Brüllen der toten Fliegen und ich erwache allein. Kein Blut fließt um mich herum. Nur mein Herz schlägt.

Sterbende Käfer.

o.t.

Auf dem Leder der Autositze
sammeln sich Regentropfen,
traurig,
wie sterbende Käfer.

Und mit brennenden Augen
schaue ich hilflos
auf die Eintönigkeit meiner Worte.

Wo Du warst, glüht die Erde,
zerfällt zu Asche und
kein Wort
findet Wasser und Brot.

Verloren ist mein Geist
in den Tiefen Deines Meeres,
glücklos versunken
zwischen Fischen und Tang.

Und an meiner Brust,
trage ich Engel für Dich
und betrachte sie täglich
mit Liebe.

Eines Tages,
wenn meine Haut sie verschlingt,
will ich mein Schicksal beschließen
und im Wald
um Dich weinen.

Was vom Tage übrig bleibt.

loch

Was vom Tage übrig bleibt
sind Pelzlippen und trübe Tassen
schale Augen, der Dunkelheit entgegen
bereit zu töten und zu sterben
nur einen Moment geschlossen
und doch am Leben.

Was vom Tage übrig bleibt
sind lange Straßen im Regen
und graue Augen am Himmel
ohne Sinn und Verstand aufgerichtet
um den Gott zu richten
der sie schuf.

Was vom Tage übrig bleibt
sind leere Räume in vollen Köpfen
und trockene Augen, ausgehungert
nach Tränen die verfallen sind
im Glauben an ein besseres Leben.

Und was vom Tage übrig bleibt
sind vier weiße Wände
die mich fragen, wo bist Du gewesen
hast Du vergessen, daß der Himmel
Deinen Namen nicht kennt?

So starre Augen,
trocken und leer.

Schneeschwalben.

o.t.

Wenn der Himmel sich bricht
über Erde und Meer
ist die Welt nur ein Bogen
um mein Herz, das sich schwer
betrübt und betrogen
dem Leben ergibt
das es nährt, das es liebt.

Wie ein Vogel am Himmel
sich ziert und gebiert
und verunglückt im Flug
durch den Wind, der verirrt
in der Welt sich verliert
weil ein Auto am Wege
ganz ohne Gefühl
auf die Welt schaut und stirbt,

so betrachte ich müßig
dein schönes Gesicht
ohne Glaube an Nachsicht
ohne Glaube an Dich
ohne Angst oder Schrecken
nur verzweifelt erpicht
auf ein Wort und ein Lächeln
in deinem schönen Gesicht.

Es ist Sommer, es schneit
und die Welt ist beglückt
kann nicht fassen, daß sie
soviel Weisheit berückt
und sie strahlt aus den Fugen
im Horizont
mit der Liebe, die einst
mal ein Gott erfand.

Ich begreife so langsam
um was es ihm ging
diesem Gott, der mich schuf
und den Fehler beging
mich zu lehren, wie ich
den Teufel erschlage
denn am Ende blieb nichts
als des Erzengels Klage,
der sich mühsam das Fechten
lehrte.

Ich versinke in Armut
um mich herum
singe Lieder, die einmal
ein Arbeiter sung,
der viel trank und das Leben
verfluchte.
und ich suche den Himmel
nach Schneeschwalben ab
und versinke, versinke
versinke.

Und am Ende, am Ende
da segne ich dich
ich streichle verzückt
dein schönes Gesicht.
Und im Rausch meiner Armut
beglücke ich Dich
und verspreche, verspreche
ich liebe Dich nicht.

Harm oder der Mann, den ich liebte.

o.t.

Wach auf Labelle, nun wach doch auf. In einer Stunde mußt Du wieder eingeschlafen sein. Ich möchte Dir etwas zeigen. Werde endlich wach! Es ist soviel passiert, seit Du eingeschlafen bist. Du mußt den Schmetterling in Laras Auge sehen. Er wohnt dort. Vor einigen Tagen noch, war er eine Raupe, die aus ihrem Kopf gekommen ist. Ich glaube, Lara hat viele Raupen im Kopf. Bestimmt ist bald der ganze Raum voll Schmetterlingen. Labelle, Du mußt aufwachen und ihn anschauen. Er ist wunderschön, grün und gelb. Er paßt so gut zu ihren Haaren und ihrer Haut. Harm gefällt er auch. Er sagt, Lara sei nun viel hübscher als vorher. Wenn Du nicht bald aufwachst, wirst Du alles verpassen. Dann mußt Du weiterschlafen ohne Lara gesehen zu haben. Ich möchte Dir doch auch noch so viel erzählen. Harm nimmt mich jetzt öfter zu sich nachts, wenn er nicht bei Dir sitzt. Lara beachtet er kaum. Nur manchmal streicht er ihr über den Kopf. Ich glaube, er freut sich, daß sie so gut aussieht, neben dem Klavier. Und daß es endlich ruhig ist. Ich rede nicht viel. Wenn er bei Dir sitzt, lese ich und rauche. Er akzeptiert dann auch keinen Lärm. Nicht einmal ein Wort. Er sitzt nur da und hält seine Hand über Dein Gesicht, als müsse er Dich beschützen.

Ich vermisse Dich, Labelle. Wir hätten soviel zu bereden. Warum wachst Du nicht wenigstens auf, wenn er weg ist? Er würde es doch gar nicht merken. Nun höre ich sein Husten vor der Tür. Gut, daß Du schläfst.

Daß wir drei den gleichen Mann lieben, war nicht geplant. Aber sein Angebot war so großzügig, daß es unmöglich war es auszuschlagen. Er ließ uns alle bei sich wohnen. Eine kleine, 70qm-Wohnung am Stadtrand, düster und karg möbliert, Souterrain, wenig Licht. Aber all das machte uns nichts aus, solange wir bei ihm sein konnten. Wir hatten alle unser eigenes Zimmer, er versorgte uns mit Essen und Geld für Kleidung oder um auszugehen. Er hatte nicht viel davon, aber er tat es gern, weil er uns ebenfalls alle drei liebte. Labelle war die Wahrhaftige und Schöne. Zu sanft für diese Welt und dabei so sicher in ihrer allumfassenden Güte, daß keiner wagte ihr zu widersprechen. Er bewunderte sie für diese stetige Zärtlichkeit mit der sie ihrer Umwelt begegnete. Lara war vor allen Dingen hübsch und liebenswert. Ein wenig anstrengend, nicht besonders klug, aber immer lustig. Ich glaube, sie war die Normalste von uns. Und deshalb paßte sie auch nie ganz dazu. Und ich: Tja, ich war wohl immer die Robusteste. Er wußte, daß er sich auf meine Stärke verlassen kann. Und deshalb schonte er mich nicht.

Eine Zeitlang gingen wir drei Frauen regelmäßig aus oder in die Stadt um einzukaufen. Wir genossen den Luxus von einem Mann ernährt zu werden und pflegten eine angenehme Freundschaft. Labelle war mir dabei besonders ans Herz gewachsen, aber das war auch nicht schwer, denn immerhin glich sie einem Engel, in Wesen und Äußerem. Er sah großzügig über unsere Müßigkeit hinweg und erfreute sich an unseren Erzählungen beim Abendbrot.

Doch eines Abends wurde alles anders. Es war der Abend, an dem Labelle einschlief. Wir waren gemeinsam in unserem Lieblingscafe, tranken Cocktails, rauchten um die Wette und alberten mit den begeisterten Herren um uns herum. Labelle trank etwas zuviel, was sie selten tat und es kam, daß sie auf einmal verschwunden war. Wir suchten sie eine Weile, beschlossen dann nach Hause zu fahren, da sie alt genug war, auf sich alleine aufzupassen. Er sah uns durch die Tür kommen und erstarrte: „Wo ist Labelle?“ „Wir wissen es nicht.“, antwortete ich.  Ein Scheinwerfer schien ins Fenster. Wir sahen hinaus. Labelle stolperte zerwühlt aus einem Auto heraus. Er drehte sich um zu mir, leichenblaß. Dann fing er an mich anzuschreien: Ich hätte sie beschützen müssen, wie ich so etwas zulassen konnte und er schlug mich immer weiter bis ich vor der Tür meines Zimmers zusammenbrach.

Am nächsten Morgen fand ich Lara verzweifelt vor Labelles Bett. Sie schüttelte sie und weinte. „Wach auf, Labelle, wach bitte auf.“ Ich trat zu ihr ans Bett. „Was ist mit ihr?“ „Sie schläft, sie schläft einfach immer weiter!“ Er kam hinein und scheuchte uns davon. Wir rätselten den ganzen Morgen, was mit Labelle sein konnte, daß sie partout nicht aufwachte. Er saß den ganzen Tag an ihrem Bett. Gegen Abend rief er mich. Ich sollte ihm helfen das Bett ins Wohnzimmer zu tragen, damit wir immer beieinander sein konnten. So kam es. Labelle lag in ihrem Bett und schlief. Ich las und rauchte und Lara stand unruhig am Fenster. Wir wollten nicht ausgehen, sondern bei Labelle bleiben, falls sie aufwachen sollte. Er saß ruhig bei ihr und sah sie an.

Lara hielt die Ruhe nicht mehr aus. Sie fing an zu fragen, was mit Labelle passiert sei, warum sie nicht erwachte, was in der vergangenen Nacht vorgefallen sei. Er hielt sie immer wieder an, ruhig zu sein, aber Lara ertrug die Situation nicht mehr. Sie fing an zu kreischen und um sich zu schlagen. Er stand auf, schrie mich an, ich solle Lara in ihr Zimmer bringen und selber in meines gehen; er wolle mit Labelle alleine sein. Ich tat, was er sagte und las in meinem Zimmer weiter, nachdem ich Lara in ihrem eingeschlossen hatte, denn dort bleiben wollte sie freiwillig nicht.

So vergingen die Tage. Lara schrie und zeterte, bis sie eingeschlossen wurde und auch dann hörte sie nicht auf. Ich las meine Bücher und rauchte und wartete jeden Tag darauf, daß Labelle aufwachte. Er saß nur bei ihr und sprach mit niemandem von uns. Er trug mir auf, mich um Lara zu kümmern, Essen für uns zu kochen oder einzukaufen. Ich tat alles, wie er es wollte, denn ich hoffte, meine Schuld, die ich zweifelsohne an Labelles Zustand hatte, dadurch ein wenig lindern zu können.

Eines Abends kam er in mein Zimmer. Er trug etwas in der rechten Hand, was nicht ganz leicht aussah und ich dachte, er würde wieder meine Hilfe bei der Hausarbeit erbitten. Das Licht war schummrig, denn ich hatte nur eine Leselampe an, unter der ich saß. Er trat näher und langsam erkannte ich, daß das Ding, das er in der Hand hielt tropfte. „Was hast Du da?“, fragte ich. „Fällt Dir nichts auf?“, erwiderte er. Ich zuckte die Schultern. „Es herrscht Ruhe.“, sagte er. Ich richtete den Lichtkegel auf ihn. Sein Gesicht war wie immer, vielleicht ein wenig ermüdet. Mein Blick wanderte seinen Arm hinunter. In der Hand hatte er Haare. Strohblond. Daran baumelte der schwere, blutende Kopf eines Menschen. Ich dachte mir, er wolle mich erschrecken, habe seinen Sinn für Humor wiedergefunden und fing an zu lachen. „Wo hast Du denn den her?“ Ich betrachtete ihn: Das verzerrte Gesicht, die aufgerissenen, aber stumpfen Augen, herabfallende Lippen und die blutigen Hautfetzen am Hals. „Sieht aus wie Lara in der Geisterbahn.“, gluckste ich. „Das ist Lara.“, antwortete er und drehte sich um. „Komm, ich brauch Deine Hilfe.“

Ich konnte seine Entscheidung verstehen. Lara paßte in ihrer quirligen, kindischen Art nie ganz zu uns. Aber sie hatte ein bildhübsches Gesicht. Wir montierten den Kopf auf einem Zaunpfahl und stellten ihn auf einer Betonplatte ins Wohnzimmer. Den restlichen Körper ließ er irgendwie und irgendwann verschwinden. Er bat mich nicht um Hilfe dafür. Da ich schweigsam war, durfte ich von  nun an im Wohnzimmer bleiben. Und so saß ich da, in meinem Sessel und rauchte und las und Labelle schlief und Lara schwieg. Es war gemütlich, aber es begann auch an mir zu nagen. Er saß bei Labelle und immer wieder sah  ich aus den Augenwinkeln seine Hand, die vorsichtig und in einer Geste grenzenloser Zärtlichkeit ihr Gesicht streichelte. Ab und zu nahm er mich mit in sein Zimmer und bat mich ihn zu verwöhnen. Ich tat es und wünschte mir doch, er würde mich einmal so streicheln wie Labelle.

Wenn er fort war, bat ich Labelle zu erwachen, damit ich nicht mehr so alleine war. Ich wußte, daß er ihr Schlafmittel gab, damit sie nicht aufwachte und ich wußte, daß er sie vor allem so sehr liebte, weil sie schlief. Nicht einmal die tote Lara liebte er so sehr. Natürlich liebte er auch mich, aber doch war ich zu lebendig, zu echt, zu geerdet um eine solch himmlische Liebe zu erfahren wie Labelle sie von ihm erhielt.

Eines Nachts warf er mich aus seinem Zimmer. Ich hatte, nachdem  wir uns geliebt hatten, eine Zigaretten angezündet. Er schrie mich an, daß ich immerzu rauche und lese und kein bißchen Würde und Liebesfähigkeit beweise, indem ich einfach mal nichts tue. Ich schrie zurück, verärgert über eine solche Idiotie, daß es zuviel zutun gebe um nichts zutun, er sei schließlich damit beschäftigt eine komatöse Frau anzuhimmeln. Er fluchte, ich sei so dumm und oberflächlich wie Lara und scheuchte mich aus seinem Zimmer. Der Vergleich mit Lara machte mich wütend und ängstlich zugleich. Würde er dasselbe mit mir machen, wenn ich nicht begriff, was in ihm vorging, was er wünschte, wonach er sich so sehr sehnte, daß er tagelang am Bett der schlafenden Labelle saß und seine Hand über sie hielt?

Ich wollte nicht länger mit ansehen, wie wir alle vier dahinvegetierten und auf etwas warteten. Ich wollte nicht länger darauf warten, daß Labelle erwachte und es werden würde wie früher. Labelle würde nicht mehr erwachen und er würde mich niemals so lieben wie sie. Ich holte die Axt aus dem Keller, die er nach der Stillegung Laras sorgfältig gereinigt hatte und ging ins Wohnzimmer. Er hatte sich in seinem Zimmer eingeschlossen und rauchte wahrscheinlich. Das Laster, das er mir als Zeichen meiner Oberflächlichkeit zum Vorwurf gemacht hatte. Es war fast stockfinster im Zimmer, denn durch die schmalen Kellerfenster drang kaum Licht. Ich gab Labelle einen Kuß und sagte ihr, wie sehr ich sie vermißt hatte. Dann holte ich aus, dachte an die Hühner meiner Oma und die Axt war scharf und stark. Es spritzte nicht so sehr, wie ich erwartet hatte. Ich nahm den abgeschlagenen Kopf in die eine Hand, holte Laras Kopf vom Zaunpfahl und stapfte mit beiden Köpfen in den Garten. Benzin hatten wir im Keller, Feuer hatte ich immer bei mir. Das Licht lockte ihn an, aber als er den Garten betrat, war ich schon einige Häuser weiter, auf dem Weg nach Hause.

Ich konnte gut ein Leben ohne ihn anfangen. Nichts liegt dem Menschen besser als Dinge zu verdrängen, die in ihm spuken. Ich fand einen Job und um nicht an ihn zu denken, arbeitete ich soviel, daß ich bald von beruflichem Erfolg sprechen konnte. Ich begann zu malen. Immer malte ich dasselbe Bild: Eine schlafende Frau im Vordergrund, über ihr eine Männerhand, den Zeigefinger ausstreckend, der Nase entgegen für eine leichte, zarte Berührung. Etwas weiter hinten eine weitere Frau, auf einem Sessel ausgestreckt, lesend und rauchend, umgeben von einem Hauch der Gleichgültigkeit, die ich mir immer gewünscht hatte und im Hintergrund ein verwesender Frauenkopf auf einem Zaunpfahl, einen Schmetterling im rechten Augen. Die Bilder stapelten sich in meinem Kopf, also stapelte ich sie in meinem Zimmer.

Eines Abends im Büro, klopfte es an meine Tür. Eine junge Frau, ein wenig vulgär, aber hübsch trat ein und sagte fragend meinen Namen. Ich nickte. „Harm ist hier und möchte Dich mitnehmen.“, sagte sie. Ich sah sie erstarrt an. „Was will er von mir?“ Was will er von Dir, ging mir durch den Kopf. Du bist doch noch dümmlicher als Lara. Er wird Dich köpfen, ehe Du Dich versiehst. „Er sagt, Du hast ihm zwei Köpfe verbrannt, einen lebenden und einen toten und nun will er Deinen als Ersatz.“. Sie kicherte so blöd wie sie aussah. Ich hatte schreckliche Angst. Dann kam er durch die Tür. Ich hatte keine Zeit ihn anzusehen, zu spüren wie Schmerz und Liebe gleichzeitig durch meinen Körper zuckten, denn die Angst war so groß, daß ich nicht einmal mehr Schreien konnte. Ich wollte aufstehen und loslaufen, doch er packte mich, schnitt mit einem Messer in meinen Hals, ich schrie nun doch, riß mich los und rannte ins Nachbarbüro. Ich wußte, daß ich höchstwahrscheinlich in eine Falle gelaufen war, denn die Tür nach draußen war hier vermutlich versperrt. Dennoch riß ich an ihr und sie ging auf. Ein Wunder oder nicht. Ich lief nach draußen, schrie und lief Dir in die Arme. Zum ersten Mal erfuhr ich Normalität. Du packtest mich und ich weinte und schrie „Beschützen Sie mich, beschützen sie mich!“

Die Polizei nahm ihn mit. Sie brachte man ins Krankenhaus. Ihre Schnittwunden waren schlimm, schlimmer als meine, aber sie überlebte sie. Du besuchst sie. Beim letzten Mal habe ich Dich gefragt, wie es ihr geht. Du erzähltest mir, daß sie immer schrie, wenn sie wach sei. Einfach nur schrie. Du sahst mich traurig an: „Deshalb lassen sie sie schlafen.“